8. Petersberger Forum: Heimat – ein aktuelles Gefühl

Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

Bonn, 29.6.2009 Was bedeutet heute Heimat in Zeiten der Globalisierung und der Wirtschaftskrise? Diese Frage wurde einen Tag lang intensiv beim 8. Petersberger Forum am 25. Juni 2009 diskutiert. Der Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG hatte 500 Gäste, hochkarätige Referenten und junge Dichter zum Poetry Slam geladen.

Klaus Töpfer, Bundesumweltminister a. D., stellte „die Renaissance des Regionalen im globalen Tumult“ vor. Aktuelle Tumulte sieht er in der Wirtschaftskrise, der Klimakrise und in der Globalisierung. Die Wirtschaftskrise sei eine Folge des Diktats der Kurzfristigkeit. Sie führe zu einem neuen Schuldenrekord und zu einer Verlagerung der mittel- und langfristigen Kosten an die nächsten Generationen. „Wir müssen in Kreisläufen entscheiden, zwei Krisen mit einer Klappe schlagen: Die Wirtschaftskrise und die Klimakrise“, so Töpfer. Das jetzige kurzfristige Verhalten könne auf Dauer nicht in eine friedliche Welt führen. Langfristiges Denken und Entscheiden sei notwendig. „Die Globalisierung ist nur erfolgreich, wenn wir die regionale Identität bewahren können. Eine Renaissance der Identitäten ist das, was wieder notwendig sein wird“, so der ehemalige Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen in Nairobi. Jeder brauche die emotionale Qualität der Heimat, sie sei leistungsfähig genug, Identität zu schaffen.

Der Verleger und Autor Dr. Florian Langenscheidt hielt ein Plädoyer für einen entspannten Umgang mit unserem Land. „Wir tragen die Verantwortung für Deutschland. Wir sind Deutschland. Nur der kann andere lieben, der auch sich selbst liebt“, so Langenscheidt. Es gehe nicht um dumpfen Nationalstolz, sondern um Dankbarkeit, um eine konstruktive Sicht auf uns selbst, um Gelassenheit. Für den Verleger und Autor konstituiert sich die Wirklichkeit von innen heraus: „ Im Stau können Sie beobachten, wie rechts von Ihnen sich jemand ärgert über den Zeitverlust und links sehen Sie jemanden Mozart genießen. Wir Deutschen sitzen zu oft im rechten Auto“. Noch nie sei ein Volk so reich und so unglücklich gewesen. Doch Glück sei lernbar und es gäbe soviel, was wir lieben könnten: eine starke, gewachsene Demokratie, die Wiedervereinigung, die innere Sicherheit, die es so nur in 10-15 % aller Länder gebe. „Ja, wir haben fehlendes wirtschaftliches Wachstum und zu viele Arbeitslose. Doch eine einseitige Fokussierung hilft uns nicht. Wir brauchen einen gesunden Optimismus“ so das Fazit von Langenscheidt.

Gastgeber und Verlagsvorstand Helmut Graf meint „es ist gar nicht so einfach mit der Heimat. Der Versuch einer einfachen Definition ist per se zum Scheitern verurteilt“. Er zitierte die verschiedensten Definitionen zum Thema Heimat, von Jacob und Wilhelm Grimm „Dem Christen ist der Himmel die Heimat, im Gegensatz zur Erde, auf der er als Gast oder Fremdling weilt“ über Karl Jaspers „Heimat ist da, wo ich verstehe und wo ich verstanden werde“ bis zu Renate Künast „In meiner Jugend war Heimat ein Schreckenswort. Ein verbaler Knüppel, mit dem man Leuten wie mir drohte“. Nach der Frage „Und wurde uns eigentlich im Westen nach 20 Jahren deutscher Einheit, 60 Jahre nach der Gründung der Bundesrepublik dieses besiegte, befreite und jetzt wieder vereinte Land zur Heimat?“ äußerte Graf Zweifel an der Bejahung ob der vielfältigen TV-Sendungen zum Auswandern. Er kenne Verlagskollegen, die ob der geplanten Gesetzgebung der großen Koalition Unternehmensbereiche ins Ausland verlagern wollen, um das Unternehmen und die Mitarbeiter in Sicherheit zu bringen. „Heimat ist höchstaktuell“, war sich der Verlagsvorstand sicher.

Im Poetry Slam stellten sich junge Dichter dem Thema Heimat und der Jury, dem Publikum. In sechs Beiträgen zeigten sie ihre Welt und ihre Sicht auf den Begriff, auf das Gefühl Heimat. Sie sprachen über Zweifeltürme, world wide weg, google dich doch selbst und ich bin weg. Der Gewinner Tommy Tesfu verband Heimat mit Nietzsche, er sah sich als Tourist auf Lebenszeit und „bin auf immerdar verzweisamt“. Die beiden Zweitplatzierten Jan Coenen und Nadja Schlüter fragten „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Schlechte liegt so nah?“ bzw. sie sind „weg, um weg zu sein, und weg, um wiederzukommen“.

Die Thesen der Referenten und Slammer sorgten für anregende Diskussionen, die mit großem Fingerspitzengefühl von dem Schweizer Risikoforscher Prof. em. Dr. Matthias Haller moderiert wurden. Die Zahl der Teilnehmer und der starke Applaus zum Abschluss der Veranstaltung belegten erneut die Bedeutung des Petersberger Forums.

Zum Verlag:

Das operative Geschäft der Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG ist für größte Themen- und Kundennähe in neun Fachverlagen organisiert: Fachverlag für Marketing und Trendinformationen, GeVestor Publishing Group, BWRmed!a, Orgenda Verlag für persönliche Weiterentwicklung, Fachverlag für Kommunikation und Management, Fachverlag für Computerwissen, Verlag PRO Schule/KiGa/Soziales/Pflege, Fachverlag für Produktion und Technik, Verlag International. Alleinvorstand ist Dipl.-Kaufmann Helmut Graf, 51.

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