Der Verleger und EKD-Synodale Norman Rentrop gründete vor 10 Jahren den ökumenischen Deutschen Predigtpreis

Wolfgang Thielmann, Rheinischer Merkur, Nr. 47, 19.11.2009

Der ökumenische Deutsche Predigtpreis wird seit 1999 jährlich in drei Kategorien verliehen. Beim Jubiläum am Mittwoch dieser Woche in Bonn wurde der frühere hannoversche Bischof Horst Hirschler für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Frühere Preisträger waren der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch, der Buchautor Jörg Zink (siehe oben) und die Ordensfrau Isa Vermehren. Inzwischen hat der Predigtpreis eine Datenbank mit guten Beispielen aufgebaut. Die Evangelische Akademie im Rheinland begleitet ihn mit einer jährlichen Tagung. Vorsitzender der Jury ist Oberkirchenrat Udo Hahn.

Rheinischer Merkur: Sie haben vor zehn Jahren den ökumenischen Deutschen Predigtpreis gestiftet. Was haben Sie sich davon versprochen?

Norman Rentrop: Der heutige Publizistikreferent der EKD und Vorsitzende der Predigtpreisjury, Udo Hahn, brachte vor zehn Jahren den Gedanken einer Arbeitshilfe zum Predigen auf. Da in meinem Verlag schon der Cicero-Rednerpreis unterstützt wurde, kamen wir auf den Gedanken, einen Predigtpreis auszuschreiben. Als dann mit Karsten Matthis ein theologisch ausgebildeter Cheflektor dazukam, war der Grundstock gelegt. Beide haben Fachleute aus Theologie, Kirchen und Medien für die Jury gewonnen. Auch wenn ich nicht mehr im operativen Verlagsgeschäft tätig bin, unterstütze ich die Sache weiter, unter anderem mit meinem Gebet, und freue mich bei jeder Verleihung über die Beispiele guter Praxis, die dort vor einem großen Publikum und in den Medien bekannt werden.

RM: Was hat Sie motiviert, den Preis ins Leben zu rufen?

Rentrop: Ich möchte mit meinen Mitteln die Verkündigung des Evangeliums unterstützen und nicht zuletzt auch den Einsatz vieler Predigerinnen und Prediger würdigen, der dabei geleistet wird.

RM: Sie haben 2001, zwei Jahre nach dem Predigtpreis, auch den Privatsender Bibel TV gegründet. Warum das Engagement für die Verkündigung des Evangeliums?

Rentrop: Ich bin durch eine Bibel des Gideonbundes im Hotelzimmer wieder zum regelmäßigen Bibellesen gekommen. Einige Zeit später erlebte ich die Geschichte des Jesus-Films der Mission „Campus für Christus“, der 1979 von dem deutschstämmigen Hollywoodproduzenten John Heyman gemacht wurde. Mittlerweile ist er mit Synchronisationen in mehr als tausend Sprachen und geschätzten sechs Milliarden Zuschauern der meistgesehene Film aller Zeiten. Er wird von Missionaren in der ganzen Welt eingesetzt, und wenn sie Esel mit Generator und Projektor beladen müssen, um ihn auf Dörfern in Papua-Neuguinea zu zeigen. Für Verkündigung in Deutschland steht das Fernsehen zur Verfügung. Als Aufsichtsrat des Senders n-tv sah ich, dass das digitale Fernsehen kommen und die Ausstrahlung auf dem Satelliten Astra um 90 Prozent günstiger würde. Als sich dann der frühere MDR-Fernsehdirektor und Pastorensohn Henning Röhl bereit erklärte, den neuen Sender aufzubauen, war der Weg vorgezeichnet. Ich möchte alles dafür tun, dass Menschen so einfach und so schnell wie möglich Zugang zum Wort Gottes haben.

RM: Noch einmal zum Predigtpreis: Kann man es auszeichnen, wenn Leute das Wort Gottes auslegen?

Rentrop: Der Preis ist bewusst undotiert. Er würdigt die Aufmerksamkeit, die eine Predigt oder ein Lebenswerk erfahren, und er würdigt Menschen, die eine besondere Fähigkeit zeigen oder sich auch besondere Mühe geben und damit der Weitergabe des Evangeliums über den einzelnen Anlass hinaus Impulse geben. So stellt er sich hinter den Einsatz der Predigerinnen und Prediger und ermutigt sie selber und zugleich alle, die sich an Sonn- und Werktagen dieser wichtigen Aufgabe stellen.

RM: Die Evangelische Kirche hat in Wittenberg ein Kompetenzzentrum zur Förderung der Predigtkultur eingerichtet. Hat der Predigtpreis gewirkt?

Rentrop: Ich will nicht so vermessen sein und das Zentrum auf den Predigtpreis zurückführen. Aber beide sind demselben Ziel verpflichtet, und deshalb finde ich dieses Zentrum großartig. Der Apostel Paulus sagt im Römerbrief, dass der Glaube aus dem Hören auf die Predigt kommt und die Predigt aus dem Wort Gottes. Es geht bei beiden Projekten so wie bei Bibel TV vor allem darum, Ideen und Kräfte freizusetzen, damit Menschen von der Freundlichkeit Gottes angerührt werden und sich auf ein Leben mit ihm einlassen – und denen zu danken, die an dieser Aufgabe mitwirken.