Wer einen Schallplattenverlag aufmachen will, braucht ein Mindeststartkapital von 4.000 Mark, der Risikofaktor wird als „gering“ eingeschätzt. Für die Gründung…

tip magazin 7/1982

Wer einen Schallplattenverlag aufmachen will, braucht ein Mindeststartkapital von 4.000 Mark, der Risikofaktor wird als „gering“ eingeschätzt. Für die Gründung eines vegetarischen Restaurants ist ein Startkapital von mindestens 65.000 Mark nötig, dafür kann man aber auch mit einem durchschnittlichen „Gewinn von Steuern“ von 105.000 Mark („bei Mitarbeit des Inhabers“) rechnen. Solcherlei Ideen und Unternehmenskonzepte („die geschäftsidee“) verkauft ein findiger Unternehmer namens Norman Rentrop (Moltkestr. 95, 5300 Bonn-Bad Godesberg). Der 24jährige Sohn eines FDP-Bundestagsabgeordneten fing vor sechs Jahren mit einer Schreibkraft an, heute leitet Rentrop eine Firma mit 70 Angestellten (Jahresumsatz: fast fünf Millionen Mark). Rentrops Erfolgsmethode: Der Jungunternehmer schaltet Anzeigen – von „Spiegel“ bis „Capital“ – und bietet „Tips zur Unternehmensgründung“ an. Da hat er heute insgesamt über 65 heiße Konzepte (vom Fitneß-Center bis zum Nagel- und Wimpernstudio) im Angebot, die er für je 25 Mark verkauft. In diesen Konzepten werden dem Anfänger Tips gegeben, wie man zum Beispiel Kredite kriegt oder den Markt auslotet; wie man das Ding aufzieht und gegen die Konkurrenz verteidigt und welche Möglichkeiten der Info-Beschaffung auf diesem Sektor es überhaupt gibt. Das Standardwerk, das man vor den Konzepten ordern sollte, heißt „Tips zur Unternehmensgründung“ (48 Mark) und gibt Auskunft über alles, was man als junger Unternehmer wissen sollte: Natürlich vertreibt Rentrop auch Ratgeber mit Titeln wie „Wie textet man eine Anzeige, die einfach alles verkauft?“ oder „283 Möglichkeiten, mehr Geld zu machen“. Eine von diesen 283 Möglichkeiten hat den 24jährigen Dynamiker jedenfalls zum gemachten Mann gemacht. Wer will’s probieren?