Verleger Norman Rentrop sieht sich künftig in der Chairman-Rolle / Kerngeschäft im VNR-Verlag gebündelt / Wachstumspotential bei Spezialinfodiensten

HORIZONT 3/99

Für den Verlag Norman Rentrop, Bonn, beginnt eine neue Ära: Gründer Norman Rentrop zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück und bündelt die Kernaktivitäten des Verlags im neuen VNR Verlag für die deutsche Wirtschaft AG.
Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr verbrachte Norman Rentrop überwiegend zwischen Umzugskartons. Der Verleger von Loseblattwerken, Branchendiensten und Fachinformationen hat sein altes Büro in der Theodor-Heuss-Straße 4 verlassen. Jetzt ist er einen Kilometer vom Verlagsgebäude in Bonn-Bad Godesberg entfernt im Palais von Groote anzutreffen. Mit dem Standortwechsel ändert sich auch seine unternehmerische Position. „Ich ziehe mich aus dem Tagesgeschäft zurück und werde mich ausschließlich um strategische Aufgaben kümmern“, sagt der 41jährige. Gleichzeitig stellt Rentrop die Weichen für eine „neue Phase der Unternehmensentwicklung“. Der neugegründete VNR Verlag für die deutsche Wirtschaft AG ist bereits im Handelsregister eingetragen, jetzt beginnen die Feinarbeiten für die Umstrukturierung der Verlagsgruppe, die nach ersten internen Hochrechnungen 1998 einen Umsatz von 175 bis 180 Millionen Mark erwirtschaftet hat. Ein Börsengang der neuen AG ist derzeit nicht geplant.

Rentrop will nun andere Akzente setzen, versteht sich jedoch keineswegs als Privatier. Er wird die Firmengeschicke als designierter Vorsitzender des Aufsichtsrats weiter aktiv mitbestimmen. „Ich sehe mich in der Rolle des Chairman“, sagt er. Nach über 20 Jahren als Firmenchef, Ideengeber und Initiator hat Rentrop die Erkenntnis gewonnen, daß er vor einer neuen Ära steht. „Man muß auch loslassen können. Ab einer gewissen Größe ist es nicht mehr so entscheidend, im Unternehmen zu arbeiten, sondern am Unternehmen.“ Deshalb wird ein fünfköpfiger Vorstand unter Vorsitz von Rentrops bisherigem Kronprinzen Helmut Graf in die verlegerische Führung und Verantwortung eintreten.

Im Top-Management werden sich zwei Vorstandsmitglieder hauptsächlich um das klassische Verlagsgeschäft kümmern. Ein Vorstand soll das Ressort Öffentlichkeitsarbeit und Marketing bekleiden und ein weiterer wird für Personalentwicklung und Talentsuche zuständig sein. Vorstandsvorsitzender Graf: „Qualifizierter Nachwuchs wird zu einem immer stärkeren Erfolgsfaktor für Fachverlage.“ Auch deshalb hat der Verlag Norman Rentrop die Bonner Journalisten-Akademie ins Leben gerufen. Dort werden künftig bis zu 16 Volontäre zu Fachjournalisten ausgebildet mit dem Ziel, später Führungsaufgaben im Verlag zu übernehmen (Seite 50). Erste Adressaten der Verlagsaktivitäten bleiben für den VNR Verlag für die deutsche Wirtschaft AG Unternehmer und Selbständige. „Wir wollen Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit in einer freien und sozialen Gesellschaft weiter fördern“, sagt Norman Rentrop.

Von der jüngsten Fusionswelle bei Fachverlagen zeigt sich Norman Rentrop unbeeindruckt. „Da geht es doch häufig um steuerliche Aspekte und bisweilen um den sportlichen Wettbewerb, wer der Größte ist“, kommentiert der Verleger diese Entwicklung. „Wir wollen vor allem durch eigene Gründungen wachsen, wobei wir bei Spezialinformationsdiensten ein großes Wachstumspotential sehen. Gemessen an den USA mit circa 20 000 Informationsdiensten ist der deutsche Markt mit rund 500 solchen Diensten noch lange nicht ausgereizt.“ Aus Amerika holt sich Norman Rentrop nicht nur Ideen, sondern ist dort auch an drei Unternehmen beteiligt. In Polen und Rumänien hat die Verlagsgruppe ebenfalls investiert, in der Türkei wird „Die Geschäftsidee“ als Lizenzausgabe vertrieben.