In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts ist die Sportwelt um eine Dimension reicher geworden:
Der Funsport wurde erfunden! Junge, freiheitsliebende und auf den Kick ausgehende Sportler begannen, neue Sportarten zu entwickeln.

aus der IVCG-Zeitschrift ‚Geschäftsmann und Christ‘ 7/8 2001

Jean-Bernard Berger, CH-Thun, Verheiratet mit Esther, zwei Söhne (beide 18), eine Tochter (15)
Hobby: Sport allgemein, Handball (Trainer Junioren Elite-B, BSV Wacker Thun; 3. Rang Schweizer Meisterschaft 00/01); Lesen;
Familie Sportpfarrer lic. theol.; Dozent
Leiter SRS/Pro Sportler; Partner der KAIROS PARTNER AG, Management Support

Funsport heißt, wie der Name sagt, in erster Linie, eine Menge Spaß haben. Man ist gegenüber dem traditionellen Sportler nicht darauf aus, körperliche Höchstleistungen zu erbringen. Man genießt einfach die einfachen oder auch komplexen Bewegungsabläufe. Lust, Harmonie und Selbsterfahrung sind dabei die obersten Maximen.

„Ein letztes Mal atmest du tief durch. Der Kick kommt immer näher, jeder Muskel ist bis aufs äußerste gespannt. Dann hebst du ab … und fliegst. Nur einen winzigen Bruchteil einer Sekunde schwebst du durchgestylt durch die Luft, vergisst alles um dich herum, wünscht dir, dieser Augenblick möge nie aufhören … Dann: ein Ruck geht durch deinen Körper. Willkommen auf der Erde, willkommen zurück in der Realität.“1

Wer das erlebt hat, muss ihn immer wieder haben, den Kick, der das Leben so anders macht! Grenzerfahrungen mit tiefen Emotionen sind in einer zunehmend an Emotionen kälter werdenden Zeit gefragt.

Der graue Alltag mit seinen kalten Fakten, roten Zahlen und in Grenzen ablaufenden Ritualen soll mit allen möglichen Mitteln durchbrochen werden. Der Mensch, programmiert von einer industrialisierten und mechanisierten Gesellschaft, sehnt sich nach farbigen, lustbetonten Erfahrungen, in denen er wieder ganzheitlich Mensch werden kann. Der Mensch auf der Suche nach dem Kick!

Seit der Mensch sich seiner bewusst ist, seit er denken und fühlen kann, überkommt ihn regelmäßig die Sehnsucht nach einem Kick. Fragt man tiefer nach den Beweggründen, stößt man unweigerlich auf die Frage nach der Bestimmung des Menschen. Und dies sei gleich vorweggenommen und anschließend erklärt: Der Mensch erlebt den wahren Kick dann, wenn Gott in ihm und er mit Gott lebt. Diese große Grenzerfahrung ist die Verbindung des endlichen Menschen mit der Unendlichkeit Gottes in Jesus Christus! Und diese Verbindung dauert nicht nur einen Augenblick und ist auch nicht an eine (Fun-)Sportart gebunden. Sie ist seine Bestimmung, die in die ersehnte Freiheit führt. Sie wird erfahren, wo der Mensch sich auch immer bewegt: im Pulverschnee, auf Meereswogen, in der Luft, Tag für Tag, Minute für Minute, Sekunde um Sekunde bis in die Ewigkeit! Das ist der wahre Kick, nach dem wir suchen!

Die unersättliche Lust regiert die Welt

Der mündige Mensch des zwanzigsten Jahrhundert aber hat sich von Gott losgesagt, er ist frei von Gott!2

Diese „Freiheit von Gott“ hat dem Menschen die Mitte gekostet und ihn an das Lustprinzip gebunden! Der Leitgedanke der Menschen auf der Suche nach dem Kick heißt dann nicht „Was ist wahr?“, sondern muss heißen: „Was macht Spaß? Wie komme ich voran? Wie kann ich meine Lust befriedigen?“

Nur – und dies müssen wir uns bewusst machen, das Lustprinzip hat einen Haken. Es fordert seinen Tribut. Man kann das Lustprinzip nämlich nie sättigen! Und dies ist die Tragik des heutigen lustorientierten Menschen. Er will immer mehr haben. Nein – er muss immer mehr haben. Eben: Der Mensch auf der Suche nach dem Kick!

Der heutige Mensch kann nicht mehr sagen: „Ich habe genug!“, weil die Lust nie sagt: „Ich habe genug!“

Das Merkmal des modernen Menschen ist: Die Gabe wird genommen, der Geber wird vergessen. Zuerst kommt die Gabe: das Leben, die Gesundheit, der Sport, der Körper! Dann können wir ja Gott noch geben, was übrig bleibt an unserer Zeit, von unseren Gedanken, von unseren Worten. Aber meistens bleibt nicht viel übrig!

Haben wir uns schon mal bewusst gemacht, dass derjenige, der nur die Gabe liebt und den Schöpfer dabei vergisst – oder nicht nach dem Schöpfer fragt, an der Gabe zugrunde gehen muss? Denn die Gabe allein versklavt den Menschen. Der Mensch auf der Suche nach dem Kick ist der beste Beweis dafür!

Um das Beste betrogen

Mit dieser Haltung betrügen wir uns selbst im Verlaufe unseres Lebens um das Beste. Wir haben statt des Gebers nur noch die Gaben. Wir haben statt der Wahrheit nur noch die Lust und müssen mit dem Spaß, mit der Gabe, mit der Lust zurechtkommen. Damit wird aber kein Mensch zurechtkommen und erst recht nie satt werden. Dies ist die Geburtsstunde der Sehnsucht!

Sehnsucht bedeutet: Ich habe die Gabe und werde nicht satt! Ich habe alles; ich habe Erfolg im Leben, ich habe Fun, Musik, ich habe Bildung; ich habe Freunde, ich habe Gesundheit, ich habe Freude und Befriedigung der Sinne, und ich komme trotzdem nicht zur Ruhe, nicht zum Frieden und muss nach immer stärkeren Mitteln greifen, um hoffentlich zur Ruhe zu kommen. Auf der Suche nach dem Kick?

Könnte es vielleicht doch so sein, dass wir unersättlich nach dem Kick sind, weil der Vordergrund statt des Hintergrunds, die Gabe statt des Gebers, die Lust statt der Wahrheit unser Leben bestimmt?

Wenn wir ehrlich sind, merken wir, dass das Leben so nicht laufen kann, weil wir uns mit dieser Haltung um das Beste betrügen: Gott im Mittelpunkt, in unserem Leben zu haben -–ist der wahre Kick!

Der Mensch muss sich früher oder später eingestehen, dass er suchen kann, wo er will. Seine Sehnsucht nach dem echten Kick kann er nicht durch äußere Lebensgestaltung gewinnen. Äußere Lebensgestaltung ist aber immer nur wertvolle Gabe; Geschenk Gottes, die ihren wahren Wert nur vom Geber der Gaben selbst bekommen kann!

Wer also auf der Suche nach dem Kick ist, muss letztendlich nach Gott suchen beziehungsweise fragen!

Der Kick: Erfüllung, Lebensqualität und Befriedigung durch die Gegenwart Gottes

Wir haben oben festgehalten, dass „die Freiheit von Gott den Menschen die Mitte gekostet und ihn an das Lustprinzip gebunden hat!“ Der Mensch muss also vom Lustprinzip befreit werden, oder theologisch gesprochen: Er muss Gnade erfahren. Und Gnade bedeutet in diesem Zusammenhang: der Schöpfer, Gott selbst, kommt und sagt: „Ich will dich befreien aus der Macht des Lustprinzips; damit du nicht mehr suchen musst!“

Gnade ist also nicht irgend ein frommes Wort, sondern ist die Verleihung einer neuen Lebensmöglichkeit durch Gott selbst! Gnade hat etwas mit dem Sohn Gottes, mit Jesus Christus zu tun. Denn dieser Jesus ist wegen unserer Maßlosigkeit, wegen unserer Bezugslosigkeit am Kreuz gestorben. Dort legte Gott allen Zorn über Sünde und Schuld auf seinen Sohn. Als Jesus starb, hat er das Problem gelöst, dass wir Menschen vor Gott nicht bestehen könnten, weil er heilig und wir sündig sind. Das heißt Stellvertretung! Das heißt Gnade, damit unsere Sehnsucht endlich gestillt werden kann!

Gnade erlebt ein Mensch, wenn er mit seiner Maßlosigkeit (meistens mit Schuld verbunden!), mit seiner Sehnsucht nach echtem Leben in einem einfachen Gebet mit Jesus Christus zu reden beginnt und zugibt: „Ich komme mit den Gaben nicht zurecht. Es tut mir leid, dass ich dich vor lauter Gaben vergessen habe. Es tut mir leid, dass ich ohne dich gelebt habe. Komm bitte, nimm mein Leben und fülle es mit Gnade. Mache mich frei vom Lustprinzip. Ich möchte dich von nun an als meinen Bezugspunkt haben. Vergib mir bitte meine Maßlosigkeit!“

Und Jesus, der Auferstandene, wird auf dieses Gebet reagieren. Er selbst, Gott selbst, wird in dieses Leben kommen und es mit seinem Geist, mit seiner Kraft, mit seiner Macht, mit seiner Liebe, mit seiner Weisheit füllen. Das ist die Grenzerfahrung, der Kick, nach dem wir uns sehnen.

Der Himmel auf Erden

Das heißt aber nun nicht, dass die Gabe keine Bedeutung mehr hätte, dass z.B. der Pulverschnee im Herzen nicht höher schlagen lassen würde! Nein, ganz im Gegenteil! Die Gegenwart Gottes im Menschen ermöglicht es diesem, die Gabe und den Geber einander so zuzuordnen, dass er wieder leben und echt genießen kann, wie es Gott schon immer wollte. Der außergewöhnliche Kick wird als Gabe erkannt und dem Geber wird dafür gedankt. Das ist die höchste Form der Erfüllung und der psychologischen Erfahrung, weil sie unserer Bestimmung entspricht!

Darum sagen die Christen: Der Himmel ist auf Erden, weil der Geber wieder im Mittelpunkt steht und sie die Gaben echt genießen und erleben können. Der Mensch steht da nicht mehr mit seinem Lustprinzip im Mittelpunkt, er braucht sich nicht mehr auf Kosten anderer selbst zu verwirklichen, er muss nicht mehr auf die Suche nach dem wahren Kick, sondern er kann aus der Gnade, d.h. aus der Kraft, aus der Liebe und Weisheit Gottes leben und genießen. Das sind die wahren Grenzerfahrungen mit tiefgehenden Emotionen, die Stunde für Stunde, Tag für Tag, Woche um Woche mit oder ohne besonderen Kick erlebbar sind!

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1Unbekannter Verfasser, Zitat aus „Board-Generation“; Robert Bösch; Jörg Rageth; 1995 Fischer-Verlag, Münsingen-Bern
2Und diese (Lebens-)Haltung nennt die Bibel Zielverfehlung (= Sünde)! Sünde ist also nicht zuerst ein moralischer Begriff, sondern besteht darin, dass Gott und Jesus Christus in Frage gestellt werden und sich der Mensch in die Mitte des Lebens stellt! Und so lange wir Jesus Christus aus dem (Lebens-)Spiel und –Sport lassen und uns in die Mitte stellen, werden wir durch alle möglichen Arten und Abarten der Lebensgestaltung auf den Kick zu kommen versuchen!