Ansichten eines Golfprofis

Geld

„Ich halte Geld an sich für nichts Schlimmes. Aber die Gier nach Geld, diese Maßlosigkeit unserer Zeit empfinde ich als Sünde.

Ich weiß, wie hart man für Geld arbeiten muß. Als kleiner Junge habe ich im Augsburger Goldclub Schlägertaschen getragen. Der Lohn: zwei Mark für etwa zweieinhalb Stunden. Ich habe jeden Groschen gespart und mir vom ersten Geld ein Fahrrad gekauft, um noch schneller zum Golfplatz zu kommen. Geld war damals sehr wichtig für mich. Meinen Eltern wäre es jedoch lieber gewesen, wenn ich einen ‚normalen‘ Beruf ergriffen hätte. Aber als ich meiner Mutter verriet, daß ein Golflehrer bis zu 40.000 Mark im Jahr verdienen kann, waren sie überredet. ‚ So viel Geld? Das kann keine schlechte Arbeit sein‘, hat sie gesagt. Heute habe ich genug Geld, um ein angenehmes Leben zu führen. Ich habe kein Problem damit, wohlhabend zu sein. Es ist der sichtbare Beweis dafür, daß ich in meinem Beruf erfolgreich bin. Allerdings ärgert mich, daß in Deutschland der Neidfaktor sehr groß ist und Reichtum immer als anrüchig gilt. So, als sei man nur deshalb reich, weil man anderen Geld weggenommen habe. In Amerika dagegen, wo ich viele Monate des Jahres verbringe, gilt die Formel Geld = Erfolg. Ich gebe zu: Es ist kein schlechtes Gefühl, nicht am Hungertuch nagen zu müssen. Aber die wirklich wichtigen Dinge im Leben – Gesundheit, Liebe, Glück und Glauben – die gibt es mit Geld nicht zu kaufen! ‚Wer Geld liebt, wird vom Geld niemals satt, und wer Reichtum liebt, wird keinen Nutzen davon haben‘, steht schon in Prediger 5, Vers 9.

Seit meinem ersten US-Masters-Sieg 1985 bekenne ich mich als wiedergeborener Christ zu Gott. Ich sehe mein Leben als eine wichtige Etappe auf der Reise ins ewige Leben, wo Geld keine Rolle mehr spielen wird. Ein englisches Zitat, das mir in diesem Zusammenhang gut gefällt, lautet: Money is a good servant, but a bad master. – Geld ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr.“