Gibt es eine christliche Wirtschaftspolitik? Wie sozial darf eigentlich ein Unternehmer sein? Wozu verpflichtet Eigentum? Wie reich darf eigentlich ein evangelischer Christ sein? Positionen dazu vom Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer e.V.

Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer e.V. (AEU)

Gibt es eine christliche Wirtschaftspolitik?

Die Idee der sozialen Marktwirtschaft ist im wesentlichen von der sozialethischen Tradition des deutschen Protestantismus geformt worden. Nicht nur das ordnungspolitische Konzept, sondern gerade auch die ethische Fundierung haben ihren Ursprung und ihre christlichen Grundlagen im von Dietrich Bonhoeffer inspirierten und der Bekennenden Kirche getragenen „Freiburger Kreis“. Die Soziale Marktwirtschaft stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Das grundlegende Motiv ist, „das Prinzip der Freiheit auf dem Markt mit dem sozialen Ausgleich zu verbinden“. Mit diesem Anspruch ist die soziale Marktwirtschaft eine aus christlicher Sicht ethisch verantwortbare Wirtschaftsordnung.

Wie sozial darf eigentlich ein Unternehmer sein?

Soziales Handeln ist eine christliche Forderung, die zu Recht auch an einen Unternehmer gestellt wird. Sozial ist Handeln, wenn es sich an der Würde des Menschen orientiert und den einzelnen zu eigenverantwortlichen Entscheidungen befähigt. Damit ist soziale Gerechtigkeit mehr als reine Verteilungsgerechtigkeit. Die Grenzen für soziales Handeln bilden die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Unternehmers oder seines Unternehmens einerseits und die Gerechtigkeit gegenüber den übrigen Mitarbeitern andererseits. Jenseits dieser Schranken ist Raum für Barmherzigkeit.

Wozu verpflichtet das Eigentum?

Sicher besteht zunächst die Pflicht, Eigentum zu erhalten und zu mehren. Privateigentum ist notwendig, um für Fehlentscheidungen wirtschaftlich eintreten zu können. Gleichzeitig ist Eigentum eine wesentliche Voraussetzung für die Risikovorsorge. Weiterhin gilt der Grundsatz, daß Eigentum verpflichtet. Nach Art. 14 Abs. 2 GG soll sein Gebrauch zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Das kann z.B. durch Investitionen für den Erhalt bestehender, bzw. die Schaffung neuer Arbeitsplätze oder die Entwicklung nachhaltiger Technologien, bzw. zukunftsfähiger Produkte geschehen.

Wie reich darf eigentlich ein evangelischer Christ sein?

In unserer Wirtschaftsordnung ist der Gewinn als Voraussetzung für Reichtum ein wichtiger Leistungsanreiz. Doch darf das Streben nach Reichtum auch beim unternehmerischen Handeln nicht zur alleinigen, sinnstiftenden Motivation werden. Entscheidend ist, daß man die Frage nach Reichtum nicht nur auf materiellen Wohlstand reduziert. Reichtum bedeutet neben finanzieller Unabhängigkeit vor allem Glück, Gesundheit und Zufriedenheit. Für einen evangelischen Christen sollte als Maßstab der Rat des Psalmisten gelten: Fällt euch (materieller) Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran (Ps. 62, 1).