„Erfolg – was ist das?“ Diese Frage stellt sich der engagierte Christ Dr. Jörg Knoblauch in diesem Artikel. Knoblauch ist Inhaber von drilbox, dem Weltmarktführer von Spiralbohrerkassetten sowie Gründer von tempus Zeitplansysteme.

Dr. Jörg Knoblauch

Nur wenige Leute wissen, daß Albert Einstein eine mathematische Formel für Erfolg aufgestellt hat. Er sagte: „Erfolg = x – y – z“. x steht für Arbeit, y steht für Spaß und z heißt: „Man muß schweigen können.“

Im christlichen Bereich redet man nicht viel über Erfolg. Man hat sich das „z“ herausgepickt. Man schweigt.

Ich weiß von Geschäftsleuten, die bei Hinz, bei Mewes, bei Helfrecht oder bei anderen Erfolgsstrategien einüben – darüber in ihrem Presbyterium aber nicht reden dürfen und auch nicht reden wollen.

Eine schwierige Frage. Kann jemand Christ sein und gleichzeitig erfolgreich sein? Schließt sich das nicht gegenseitig aus? Entweder bin ich geistlich gesonnen – dann sollte ich nicht gerade erfolgreich sein. Oder ich bin erfolgreich – dann ist es doch klar – geistlich kann ich dann nicht sein. Stimmt dies wirklich?

Zum Thema „geistliches Leben“ bzw. „wie man geistlicher wird“ gibt es viele Bücher, und es werden laufend neue geschrieben. Auch zum Thema „Erfolg“ gibt es viele Bücher. Aber wo ist das Buch, das beides zusammenbringt? Die evangelischen Christen haben hier noch ein besonderes Problem, daß man nämlich, falls man sich auf Erfolgskurs bewegt, sehr schnell der „frommen Werkerei“ bezichtigt wird. Geistlich sein und Erfolg haben. Es sieht so aus, als würde sich das gegenseitig ausschließen.

Wer viel Geld verdient und einen Mercedes fährt, der muß unehrlich sein. Ist es nicht amüsant: Wenn ich in den Mercedes eines Christen einsteige, dann fühlt er sich sofort verpflichtet, mir zu bekunden, warum er ein solches Auto fährt. Aber ich beobachte das an mir selbst auch. Wenn jemand in unseren Bungalow mit Südhanglage kommt, dann bin ich schnell dabei zu erklären, daß das Haus anderthalb Jahre leer stand und daß dies ein absoluter Gelegenheitskauf war.

Lassen Sie uns das Problem noch einmal anders auseinanderfalten.

Ein Mensch steht im Berufsleben, wo eine bestimmte Sicht der Dinge vorherrscht; aber dann liest er die Bibel, und er hört etwas ganz anderes. Beides scheint sich gegenseitig auszuschließen. Das sieht dann so aus:

Die Welt sagt:

– Stecke dir Ziele.

– Du mußt dein Leben selbst kontrollieren.

– Du mußt auf dich selbst vertrauen.

– Habe eine hohe Achtung vor dir selbst.

– Denke Großes und denke positiv.

– Strebe danach, etwas Großes zu werden.

– Werde die Nummer 1.

Gott sagt:

– Mach dir keine Sorgen wegen morgen.

– Laß Christus dein Leben kontrollieren.

– Setz dein Vertrauen nicht auf das Fleischliche.

– Verleugne dich selbst.

– Du sollst dich unterordnen.

– Sei zufrieden mit dem, was du hast.

– Demütige dich.

Ich gehe also durch die Welt und höre die eine Aussage und dann gehe ich in den Gottesdienst und höre etwas ganz anderes, nämlich was ein Leben in der Nachfolge Christi ist, und was es heißt, „sein Kreuz auf sich zu nehmen“. Dies muß verwirrende Konflikte schaffen.

Nehmen wir einmal die erste Aussage: Steht der Satz „Stecke dir Ziele“ wirklich im Widerspruch zu der Aussage „Denke nicht an das Morgen“? Oder ergänzt sich das nicht vielleicht sogar?

Heißt das, wir dürfen keine Ziele haben? Jesus hatte Ziele. Der Apostel Paulus setzte Ziele: „Dies eine tue ich“ und nicht die vierzig anderen Dinge.

In Jakobus 4,14 steht dieser Satz: „Die ihr nicht wisset, was morgen sein wird.“ Und dabei entdeckt man, es geht ja eigentlich gar nicht gegen das Planen und Ziele stecken. Dieser Satz richtet sich nur gegen Planen ohne Gott. Wir sollen sagen: Falls der Herr es will, dann gehen wir in die Stadt und tun diese und jene Tätigkeit. Es heißt also nicht, daß wir keine Ziele haben sollen. Es geht darum, nicht selbstherrlich und ohne Gott zu planen.

Wie ist das nun mit der zweiten Aussage: „Du mußt dein Leben selbst kontrollieren“? Dabei entdecke ich, daß dies doch durchaus ein von Christus kontrolliertes Leben sein kann, wenn Christus in mir ist. Liebe, Freude, Friede, Geduld … (Gal. 5,22), die Früchte des Heiligen Geistes.

Die nächste Aussage: „Du mußt auf dich selbst vertrauen.“ Wenn ich in der Bibel blättere, entdecke ich, daß einige der effektivsten Personen, die Gott benutzt hat, Menschen mit einem hohen Selbstvertrauen waren. Leute, die genau wußten, wo sie hin wollten. In Johannes 13,3 heißt es von Jesus: „Weil er wußte, woher er kam, und wußte, wohin er ging, konnte er dies tun.“ Deswegen konnte er ein Handtuch und eine Waschschüssel nehmen und der Diener aller sein.

Denke Großes und denke positiv!

Ich lese in der Bibel und komme dabei an den Philipperbrief. Da fällt mir die Geschichte ein, wo ein Theologiestudent beim Examen in Tübingen gebeten wird, er solle doch kurz den Inhalt des Philipperbriefes wiedergeben.

Seine Antwort: „Freuet euch in dem Herrn allewege.“ Der Professor fragt weiter: „Was steht da noch drin?“ „Und abermals sage ich: Freuet euch!“ Phantastisch!

Wo war Paulus damals? Im Urlaub auf Mallorca? Nein, er war im Gefängnis. Da ging es drunter und drüber, aber Paulus sagte mitten in diesem Durcheinander: „Ich möchte, daß ihr euch im Herrn freut.“ Das ist positives Denken. Es geht also nicht darum, daß wir nicht groß und positiv denken sollen, nein. Es geht nur darum, daß wir unser Vertrauen nicht auf irdische Dinge setzen sollen. Wir müssen lernen, die Dinge aus Gottes Perspektive zu betrachten.

Und so könnten wir nun die ganze Liste durchgehen. Schließen sich diese Dinge nun aus oder ergänzen sie sich?

Jesus sagt: „Ich bin gekommen, daß euer Leben die Fülle hat.“

Wie könnte man nun Erfolg definieren? Ist etwa die Menge des Geldes der Maßstab?

Jesus macht klar, daß nicht derjenige der Erfolgreichste ist, der möglichst viel Geld angesammelt hat. Jesus sagt: „Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen.“ (Matth. 6,19-21).

Einige der stärksten Materialisten, die ich kennengelernt habe, hatten kaum Geld in der Tasche. Dagegen Leute, die superreich sind, sind zum Teil überhaupt nicht materialistisch. Es geht doch nicht darum, was wir haben, sondern um das, „was uns hat“. Es ist großartig zu sehen, wie Menschen anfangen, den Zehnten zu geben und dann 12 Prozent und dann 15 Prozent und dann 18 Prozent usw.

Wenn nun Erfolg aber nicht bloß viel Geld ist, was ist Erfolg dann?

Wir haben kürzlich in einem größeren Kreis diese Frage gestellt, und dann kam als Antwort:

1. zufriedene Kinder,

2. Ansehen,

3. profitabler Betrieb.

4. Gesundheit,

5. ein Leben ohne Probleme,

6. im Mittelpunkt stehen usw.

Eine interessante Definition des Erfolges, auf die ich mich beziehen will, stammt von William H. Cook:

„Erfolg ist beständig zu arbeiten, so zu werden wie Gott mich geplant hat und die Ziele zu verwirklichen, die mit Gottes Hilfe gesteckt wurden.“

Wenn Sie diese Definition einmal genauer ansehen, dann können Sie drei wesentliche Punkte festhalten:

1. das Wörtchen „beständig“,

2. Gott,

3. Ziel.

1. Beständig

Treffen Sie heute die richtigen Entscheidungen. Die Zukunft wird aus vielen „jetzt“ gebaut. Vielleicht hatten Sie große Erfolge in der Vergangenheit. Vielleicht waren Sie auch ein Versager. Dies ist nicht wichtig. Entscheidend ist, welche Entscheidung Sie heute treffen und wohin Sie sich heute bewegen.

2. Gott

Gott stellt den Menschen in die Welt, damit er Erfolg hat und nicht, damit er versagt. Gott weiß sehr viel von Erfolg. Immerhin hat er uns als sein Ebenbild geschaffen, damit wir Leben in Fülle haben sollen. Darüber hinaus hat Gott ein Buch geschrieben, das verbürgte Erfolgsprinzipien enthält.

3. Ziele

Wer sich viel vornimmt, wird viel erreichen. Wer sich wenig vornimmt, wird wenig erreichen. Wer sich nichts vornimmt, wird nichts erreichen. Sie erreichen genausoviel, wie Sie sich vornehmen. Falls Sie sich keine Ziele stecken, werden Ihnen von anderen Ziele gesteckt, und falls Sie nicht planen, werden Sie eben von anderen verplant. Also: Beten Sie und haben Sie den Mut, kühne Dinge zu denken und zu planen.

Gott ist an Ihrem Erfolg interessiert, vorausgesetzt, Ihre Definition von Erfolg ist in seinem Sinn.