Diese Geschichte, die Ihnen selbstverständlich und wenig außerordentlich erscheinen mag, wurde im März 1899 zusammen mit dem nachfolgenden Kommentar im „Philistine Magazine“ publiziert. Der Aufsatz ist seither in fast alle Sprachen der Welt übersetzt worden.

Eine Botschaft an Garcia

Diese Geschichte, die Ihnen selbstverständlich und wenig außerordentlich erscheinen mag, wurde im März 1899 zusammen mit dem nachfolgenden Kommentar im „Philistine Magazine“ publiziert. Der Aufsatz ist seither in fast alle Sprachen der Welt übersetzt worden. Über 40 Millionen Exemplare der Botschaft an Garcia sind bis heute gedruckt worden. Allein die „New York Central Railroad“ verteilte 1½ Millionen Kopien an ihre Angestellten. Während des Krieges zwischen Rußland und Japan erhielt jeder russische Soldat den Text. Als die Japaner bei jedem russischen Gefangenen dasselbe Blatt entdeckten, dachten sie sich, daß es damit eine besondere Bewandtnis haben müsse und übersetzten den Text ins Japanische. In der Folge wurde dann jedem Regierungsangestellten eine Kopie des Textes übergeben.

Hier sind die wichtigsten Passagen der Botschaft des Verfassers, wie sie im „Philistine Magazine“ erschien:

„Wie die Kühle des Schnees zur Zeit der Ernte, so ist ein getreuer Bote dem, der ihn gesandt hat, und erquickt seines Herrn Seele.“
Sprüche 25,13 (LUT)

Während des spanisch-amerikanischen Krieges im Jahre 1899 wurde auf der Insel Kuba einer der Generale der Vereinigten Staaten, Garcia, mit seinen Truppen umzingelt. Garcia war gezwungen, in den Tiefen des Dschungels unterzutauchen. Kein Mensch kannte den Ort. Garcia hatte keinerlei Verbindung mit der Außenwelt. Kein Brief, kein Telegramm konnte ihn erreichen. Der Präsident der Vereinigten Staaten, McKinley, mußte aber unter allen Umständen mit ihm Verbindung bekommen, und zwar rasch. Was tun?

Einer der Mitarbeiter des Präsidenten wußte Rat: „Ich kenne einen Mann, der Garcia finden wird. Sein Name ist Rowan.“

Der Präsident ließ den gewissen Rowan kommen und überreichte ihm einen Brief mit den Worten: „Übergeben Sie dieses Schreiben an General Garcia, und bringen Sie mir seine Antwort zurück.“ Rowan erwiderte: „Ja, Herr Präsident, wird gemacht.“

Wie Rowan das Schreiben in Ölseide einschweißte und es sich auf die Brust band, wie er nach vier Tagen bei Nacht und Nebel mit einem offenen Boot an der kubanischen Küste landete und im Dschungel verschwand, wie er nach dreiwöchigem Fußmarsch durch Feindesland die Aufgabe erfüllte, die Botschaft überbrachte… Das sind Dinge, auf die wir hier im Einzelnen nicht einzugehen brauchen.

Wichtig für uns zu wissen ist, was Rowan, als er den Brief in Empfang nahm, sagte: „Ja, Herr Präsident, wird gemacht!“ Das war alles.

Er stellte keine dummen Fragen wie:
Wo ist Garcia?
Wie komme ich auf die Insel?
Soll ich ein Boot mieten oder eins kaufen?
Wie muß man vorgehen, wenn man einen Mann im Dschungel sucht und dieser darauf achtet, daß niemand weiß, wo er ist?
Wie komme ich durch die feindlichen Linien, ohne daß ich erwischt werde?
Wo bekomme ich das Geld her, um diese Reise zu bezahlen?

McKinley stellte Rowan eine Aufgabe und überließ es ihm, Antworten auf alle auftauchenden Fragen zu finden, da er genau wußte, daß er unmöglich alle Situationen voraussehen konnte, denen Rowan begegnen würde.

General Garcia ist heute tot, aber es gibt andere Garcias! Jeder, der ein größeres Unternehmen leitet, ist immer wieder entsetzt über mangelnde Initiative, über Unfähigkeit und Unwilligkeit, sich auf eine gestellte Aufgabe zu konzentrieren und sie zu bewältigen.

Sie, verehrter Leser, können das nachprüfen. Sie sitzen in Ihrem Büro, sechs Mitarbeiter um Sie herum. Rufen Sie einen zu sich und geben Sie ihm den Auftrag: „Bitte machen Sie einen kurzen Auszug über das Leben von Correggio.“

Wird Ihr Mitarbeiter sagen: „okay“ und an seine Arbeit gehen? Oder wird er Sie anstarren und eine oder mehrere der folgenden Fragen stellen: „Wer war Correggio? Oder: „Wo soll ich gucken?“ oder: „Ist das überhaupt meine Aufgabe?“ oder „Lebt Correggio noch?“ oder „Ist die Sache eilig?“ oder: „Warum wollen sie das eigentlich wissen?“

Ich wette zehn zu eins: Nachdem Sie alle diese Fragen beantwortet und ihm erklärt haben, wo die Information zu finden sei und warum Sie sie benötigen, wird jener Angestellte weggehen und seinen Kollegen einspannen, damit er ihm hilft, Correggio zu finden. Dann wird er wiederkommen und Ihnen erklären – es gäbe keinen Menschen dieses Namens!

Natürlich kann ich meine Wette auch verlieren, aber nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit doch wohl kaum.

Wenn Sie also klug sind, werden Sie sich nicht die Mühe machen, Ihrem Mitarbeiter zu erklären, daß Correggio unter C zu finden ist (nicht unter K), sondern Sie werden freundlich lächeln und liebevoll sagen: „ Ach es ist nicht so wichtig“ und hingehen, um selbst nachzusehen.

Habe ich mich zu hart ausgedrückt? Vielleicht. Aber mein Herz schlägt für solche Leute, die eine Botschaft an Garcia annehmen, ohne idiotische Fragen zu stellen oder die versteckte Absicht zu hegen, sie bei nächster Gelegenheit in den Papierkorb zu werfen – solche Leute, die nichts anderes im Sinn haben, als diese Botschaft wirklich auszurichten! Die werden nie auf die Straße fliegen. Die werden immer gesucht sein! Ihre Forderungen werden immer Gehör finden. In jeder Stadt in jedem Dorf, in jedem Büro und Geschäft, in jeder Fabrik!

Die Welt ruft nach solchen Menschen, denn sie werden nötig gebraucht: Leute, die eine Botschaft an Garcia ausrichten können!